English: Energy-intensive production / Español: Producción intensiva en energía / Português: Produção intensiva em energia / Français: Production énergivore / Italiano: Produzione energivora

Die energieintensive Herstellung bezeichnet industrielle Prozesse, die durch einen überdurchschnittlich hohen Energiebedarf pro produzierter Einheit gekennzeichnet sind. Diese Verfahren sind für einen erheblichen Anteil des globalen Primärenergieverbrauchs verantwortlich und stehen im Fokus von Klimaschutzstrategien sowie Effizienzoptimierungen. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen und ökologischen Relevanz unterliegen sie spezifischen regulatorischen und technologischen Anforderungen.

Allgemeine Beschreibung

Als energieintensive Herstellung werden Produktionsprozesse klassifiziert, deren Energieverbrauch pro Outputeinheit deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt. Die Einstufung erfolgt häufig anhand von Schwellenwerten, die sich an spezifischen Energieverbräuchen (SEC, engl. Specific Energy Consumption) orientieren, gemessen in Megajoule pro Tonne (MJ/t) oder Kilowattstunden pro Kilogramm (kWh/kg). Entscheidend ist dabei nicht der absolute Energieeinsatz, sondern die Relation zum erzeugten Produkt. Branchen wie die Stahl-, Zement-, Glas- oder Chemieindustrie gelten als typische Vertreter, da ihre Verfahren auf endothermen Reaktionen, hohen Temperaturen oder energieaufwendigen Trennprozessen basieren.

Die Energieintensität resultiert aus physikalischen und chemischen Gesetzmäßigkeiten, die sich oft nicht grundlegend umgehen lassen. Beispielsweise erfordert die Reduktion von Eisenerz zu Roheisen im Hochofenprozess Temperaturen von über 1.500 °C, was einen erheblichen Einsatz fossiler Brennstoffe oder elektrischer Energie bedingt. Ähnlich verhält es sich bei der Kalzinierung von Kalkstein zu Zementklinker, die bei etwa 1.450 °C stattfindet und pro Tonne Klinker rund 3,5 Gigajoule (GJ) Energie verbraucht. Diese Prozesse sind häufig mit hohen CO₂-Emissionen verbunden, da sie entweder direkt auf Kohlenstoff als Reduktionsmittel angewiesen sind oder indirekt durch die Verbrennung fossiler Energieträger angetrieben werden.

Die Bewertung der Energieintensität erfolgt nicht nur auf Prozessebene, sondern auch im Kontext der gesamten Wertschöpfungskette. So können nachgelagerte Schritte wie die Weiterverarbeitung oder der Transport die Gesamtenergiebilanz eines Produkts maßgeblich beeinflussen. Zudem spielen regionale Faktoren eine Rolle, etwa die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien oder die Effizienz der lokalen Infrastruktur. In Ländern mit hohem Anteil an Ökostrom, wie Norwegen oder Island, kann die Energieintensität derselben Produktion aufgrund des geringeren CO₂-Fußabdrucks der Stromerzeugung niedriger ausfallen als in Regionen mit kohlebasierter Energieversorgung.

Technische Grundlagen und Energiequellen

Energieintensive Herstellungsprozesse nutzen unterschiedliche Energieformen, die sich in Primär- und Sekundärenergieträger unterteilen lassen. Primärenergie umfasst direkt eingesetzte Brennstoffe wie Kohle, Erdgas oder Biomasse, während Sekundärenergie in Form von Strom, Dampf oder Wasserstoff bereitgestellt wird. Die Wahl der Energiequelle hängt von technologischen, wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren ab. So dominiert in der Stahlindustrie nach wie vor der Einsatz von Kokskohle, da sie sowohl als Reduktionsmittel als auch als Energieträger fungiert. In der Aluminiumproduktion hingegen ist der Strombedarf für die Schmelzflusselektrolyse mit bis zu 15 Kilowattstunden pro Kilogramm Aluminium (kWh/kg) so hoch, dass der Standort häufig in der Nähe kostengünstiger Wasserkraftwerke gewählt wird.

Ein zentrales Merkmal energieintensiver Verfahren ist der hohe Anteil an Prozesswärme, die oft über 1.000 °C liegt. Diese Wärme wird entweder durch direkte Verbrennung (z. B. in Drehrohröfen der Zementindustrie) oder indirekt über elektrische Widerstandsheizungen (z. B. in Glaswannen) erzeugt. Die Rückgewinnung von Abwärme spielt eine entscheidende Rolle für die Effizienzsteigerung. Moderne Anlagen nutzen Wärmetauscher oder Organic-Rankine-Cycle-Systeme (ORC), um Niedertemperaturabwärme in Strom umzuwandeln. Dennoch bleibt der Wirkungsgrad vieler Prozesse aufgrund thermodynamischer Grenzen begrenzt. So liegt der theoretische Mindestenergiebedarf für die Zementherstellung bei etwa 1,8 GJ/t Klinker, während reale Anlagen Werte von 3,0 bis 4,0 GJ/t erreichen.

Die Substitution fossiler Energieträger durch erneuerbare Alternativen stellt eine der größten Herausforderungen dar. Wasserstoff gilt als vielversprechender Ersatz für Kohle in der Stahlproduktion, da er als Reduktionsmittel eingesetzt werden kann und bei der Verbrennung lediglich Wasser emittiert. Allerdings erfordert die Herstellung von grünem Wasserstoff via Elektrolyse große Mengen an Ökostrom, was die Wirtschaftlichkeit aktuell einschränkt. Ähnliche Ansätze werden in der Chemieindustrie verfolgt, etwa bei der Herstellung von Ammoniak oder Methanol, wo CO₂-neutraler Wasserstoff als Ausgangsstoff dienen soll. Die Umstellung auf klimaneutrale Energieträger erfordert jedoch nicht nur technische Anpassungen, sondern auch erhebliche Investitionen in die Infrastruktur.

Normen und Regulatorische Rahmenbedingungen

Energieintensive Industrien unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben, die sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene definiert sind. In der Europäischen Union (EU) bildet die Richtlinie 2012/27/EU zur Energieeffizienz (EED) den rechtlichen Rahmen, der Unternehmen zur Durchführung von Energieaudits und zur Umsetzung von Effizienzmaßnahmen verpflichtet. Für besonders energieintensive Betriebe gelten zudem spezifische Ausnahmen und Förderprogramme, etwa die Besondere Ausgleichsregelung im deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), die die EEG-Umlage für stromintensive Unternehmen reduziert. Auf globaler Ebene setzen Initiativen wie das Science Based Targets-Programm (SBTi) oder die ISO 50001 für Energiemanagementsysteme Anreize für eine nachhaltige Produktion.

Ein zentrales Instrument zur Steuerung des Energieverbrauchs ist der Emissionshandel. Im EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS) erhalten energieintensive Anlagen kostenlose Zertifikate, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Allerdings sinkt die Anzahl der kostenlosen Zuteilungen schrittweise, was Unternehmen dazu zwingt, entweder Emissionen zu reduzieren oder zusätzliche Zertifikate zu erwerben. Die Preisentwicklung der CO₂-Zertifikate hat somit direkten Einfluss auf die Produktionskosten. So stiegen die Preise im EU-ETS von etwa 5 Euro pro Tonne CO₂ im Jahr 2017 auf über 90 Euro im Jahr 2023, was die Wirtschaftlichkeit fossiler Prozesse zunehmend infrage stellt.

Zusätzlich zu den klimapolitischen Vorgaben spielen branchenspezifische Standards eine Rolle. In der Zementindustrie definiert die DIN EN 197-1 die Zusammensetzung von Zementen und indirekt auch die Energieanforderungen für deren Herstellung. Für die Stahlproduktion sind die ISO 14404-Normen relevant, die Methoden zur Berechnung der CO₂-Emissionen festlegen. Diese Standards dienen nicht nur der Vergleichbarkeit, sondern auch der Identifikation von Effizienzpotenzialen. Unternehmen, die diese Vorgaben nicht erfüllen, riskieren Marktausschlüsse oder Strafzahlungen, insbesondere in Ländern mit strengen Umweltauflagen.

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Der Begriff energieintensive Herstellung wird häufig mit verwandten Konzepten verwechselt, die jedoch unterschiedliche Aspekte betonen. Eine klare Abgrenzung ist essenziell, um Missverständnisse zu vermeiden:

  • Materialintensive Produktion: Bezeichnet Prozesse, die durch einen hohen Rohstoffverbrauch pro Outputeinheit gekennzeichnet sind, ohne dass der Energieeinsatz im Vordergrund steht. Beispielsweise ist die Herstellung von Beton materialintensiv, da große Mengen an Sand und Kies benötigt werden, während der Energiebedarf im Vergleich zur Zementproduktion geringer ausfällt.
  • Emissionsintensive Produktion: Fokussiert auf den Ausstoß von Treibhausgasen oder Schadstoffen, unabhängig vom Energieverbrauch. So kann ein Prozess mit moderatem Energieeinsatz dennoch emissionsintensiv sein, wenn er auf kohlenstoffhaltigen Rohstoffen basiert, wie etwa die Herstellung von Kunststoffen aus Erdöl.
  • Ressourcenintensive Produktion: Umfasst sowohl den Energie- als auch den Materialverbrauch sowie weitere Ressourcen wie Wasser oder Fläche. Ein Beispiel ist die Halbleiterfertigung, die neben hohem Strombedarf auch große Mengen an Reinstwasser und seltenen Erden benötigt.

Anwendungsbereiche

  • Stahl- und Eisenindustrie: Die Primärstahlerzeugung im Hochofen ist einer der energieintensivsten Prozesse der Industrie. Pro Tonne Rohstahl werden etwa 18 Gigajoule (GJ) Energie benötigt, wobei der Großteil auf die Reduktion von Eisenerz mit Kokskohle entfällt. Alternative Verfahren wie die Direktreduktion mit Wasserstoff oder die Elektrostahlerzeugung aus Schrott können den Energiebedarf um bis zu 50 % senken, sind jedoch von der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien abhängig.
  • Zement- und Baustoffindustrie: Die Herstellung von Zementklinker ist mit einem spezifischen Energieverbrauch von 3,0 bis 4,0 GJ/t und CO₂-Emissionen von etwa 0,8 Tonnen pro Tonne Klinker verbunden. Innovationen wie die Verwendung von Ersatzbrennstoffen (z. B. Altreifen oder Biomasse) oder die Entwicklung von Carbon Capture and Storage (CCS)-Technologien zielen darauf ab, die Klimabilanz zu verbessern. Zudem wird an alternativen Bindemitteln geforscht, die ohne Kalzinierung auskommen.
  • Chemische Industrie: Prozesse wie die Ammoniaksynthese nach dem Haber-Bosch-Verfahren oder die Chlor-Alkali-Elektrolyse sind extrem energieintensiv. Die Ammoniakproduktion verbraucht weltweit etwa 1,8 % des gesamten Energiebedarfs und ist für rund 1 % der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich. Die Umstellung auf grüne Wasserstofftechnologien könnte hier eine deutliche Reduktion der Emissionen ermöglichen, erfordert jedoch erhebliche Investitionen in die Infrastruktur.
  • Glas- und Keramikindustrie: Die Schmelzprozesse in Glaswannen erfordern Temperaturen von 1.400 bis 1.600 °C und einen Energieeinsatz von 4 bis 6 GJ/t Glas. Moderne Anlagen nutzen regenerative Brenner oder elektrische Beheizung, um den Verbrauch zu senken. In der Keramikindustrie ist die Trocknung und Sinterung der Rohlinge besonders energieaufwendig, wobei Abwärmenutzung und optimierte Ofenführung Effizienzsteigerungen ermöglichen.
  • Papier- und Zellstoffindustrie: Die Herstellung von Zellstoff und Papier ist weniger durch hohe Temperaturen als durch den Bedarf an Prozessdampf und elektrischer Energie geprägt. Der spezifische Energieverbrauch liegt bei etwa 10 bis 15 GJ/t Papier, wobei moderne Anlagen durch Kraft-Wärme-Kopplung und die Nutzung von Biomasse als Brennstoff die Energieeffizienz verbessern. Dennoch bleibt die Branche aufgrund des hohen Wasser- und Chemikalieneinsatzes ressourcenintensiv.

Bekannte Beispiele

  • Thyssenkrupp Steel Europe (Duisburg, Deutschland): Das Werk in Duisburg ist einer der größten Stahlstandorte Europas und produziert jährlich rund 12 Millionen Tonnen Rohstahl. Der Energiebedarf liegt bei etwa 20 Terawattstunden (TWh) pro Jahr, was dem Stromverbrauch von 5 Millionen Haushalten entspricht. Das Unternehmen testet aktuell die Direktreduktion mit Wasserstoff im Rahmen des Projekts H2Stahl, um die CO₂-Emissionen bis 2030 um 30 % zu senken.
  • HeidelbergCement (Leimen, Deutschland): Das Zementwerk in Leimen ist eines der modernsten Europas und nutzt Ersatzbrennstoffe wie Altreifen und Klärschlamm, um den fossilen Energieeinsatz zu reduzieren. Dennoch liegt der spezifische Energieverbrauch bei etwa 3,2 GJ/t Klinker. Das Unternehmen beteiligt sich an Pilotprojekten zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung (CCS) und plant, bis 2050 klimaneutral zu produzieren.
  • Yara International (Porsgrunn, Norwegen): Die Ammoniakfabrik in Porsgrunn ist eine der größten der Welt und produziert jährlich etwa 500.000 Tonnen Ammoniak. Durch die Nutzung von Wasserkraft für die Elektrolyse und die Umstellung auf grüne Wasserstofftechnologien konnte der CO₂-Fußabdruck deutlich reduziert werden. Das Werk dient als Referenz für die Dekarbonisierung der chemischen Industrie.
  • Saint-Gobain (Herzogenrath, Deutschland): Das Glaswerk in Herzogenrath produziert Flachglas für die Bau- und Automobilindustrie. Durch den Einsatz von regenerativen Brennern und Abwärmenutzung konnte der Energieverbrauch auf etwa 5 GJ/t Glas gesenkt werden. Das Unternehmen setzt zudem auf Recycling von Altglas, um den Rohstoffbedarf zu reduzieren.

Risiken und Herausforderungen

  • Klimapolitische Regulierung und CO₂-Kosten: Die steigenden Preise für CO₂-Zertifikate im EU-ETS erhöhen die Produktionskosten und gefährden die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien, insbesondere in Ländern mit weniger strengen Klimavorgaben. Unternehmen müssen entweder in emissionsarme Technologien investieren oder Produktionsverlagerungen in Regionen mit geringeren Umweltauflagen in Betracht ziehen, was zu Carbon Leakage führen kann.
  • Abhängigkeit von fossilen Energieträgern: Viele energieintensive Prozesse sind auf Kohle, Erdgas oder Öl angewiesen, deren Preise starken Schwankungen unterliegen. Die Substitution durch erneuerbare Energien oder Wasserstoff ist technisch möglich, erfordert jedoch hohe Investitionen in Infrastruktur und Anlagenumbau. Zudem ist die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff aktuell begrenzt, was die Umstellung verzögert.
  • Technologische Pfadabhängigkeiten: Bestehende Produktionsanlagen sind oft auf bestimmte Energieträger oder Verfahren ausgelegt, was eine kurzfristige Umstellung erschwert. Beispielsweise sind Hochofenanlagen für eine Lebensdauer von 30 bis 50 Jahren konzipiert, sodass Investitionen in alternative Technologien wie Direktreduktionsanlagen nur schrittweise erfolgen können. Dies führt zu langen Übergangsphasen, in denen alte und neue Verfahren parallel betrieben werden müssen.
  • Ressourcenverfügbarkeit und Lieferkettenrisiken: Die Umstellung auf klimaneutrale Produktionsmethoden erfordert den Zugang zu kritischen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Seltenen Erden, die für Batterien, Katalysatoren oder Elektrolyseure benötigt werden. Die Konzentration der Förderung in wenigen Ländern (z. B. China, Kongo) birgt geopolitische Risiken und kann zu Engpässen führen. Zudem sind erneuerbare Energien wie Wind- und Solarstrom wetterabhängig, was die Planungssicherheit für kontinuierliche Produktionsprozesse beeinträchtigt.
  • Soziale Akzeptanz und Arbeitsplatzverluste: Die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien kann zu strukturellen Veränderungen führen, die Arbeitsplätze in traditionellen Branchen gefährden. Beispielsweise könnte die Umstellung von Hochofen- auf Elektrostahlwerke in der Stahlindustrie zu einem Rückgang der Beschäftigung in kohleabhängigen Regionen führen. Gleichzeitig entstehen neue Jobs in Bereichen wie Wasserstofftechnologie oder Recycling, was jedoch Umschulungen und regionale Anpassungsstrategien erfordert.
  • Wirtschaftliche Rentabilität und Investitionsrisiken: Die hohen Kapitalkosten für neue Technologien stellen insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) eine Hürde dar. Zudem sind viele klimaneutrale Verfahren aktuell noch nicht wettbewerbsfähig, sodass staatliche Förderungen oder Subventionen erforderlich sind. Die Unsicherheit über zukünftige Regulierungen und Marktentwicklungen erhöht das Investitionsrisiko zusätzlich.

Ähnliche Begriffe

  • Energieeffizienz: Bezeichnet das Verhältnis von nutzbarer Energie zu eingesetzter Primärenergie in einem Prozess. Während die energieintensive Herstellung den absoluten Energiebedarf beschreibt, zielt die Energieeffizienz auf die Optimierung dieses Verhältnisses ab. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz umfassen beispielsweise die Rückgewinnung von Abwärme oder die Verbesserung von Isolierungen.
  • Kreislaufwirtschaft: Ein Konzept, das auf die Minimierung von Abfällen und den maximalen Einsatz recycelter Materialien abzielt. In energieintensiven Industrien kann die Kreislaufwirtschaft den Energiebedarf senken, indem Sekundärrohstoffe wie Schrott in der Stahlproduktion oder Altglas in der Glasherstellung eingesetzt werden. Allerdings sind nicht alle Materialien unbegrenzt recycelbar, und die Aufbereitung kann selbst energieintensiv sein.
  • Industrielle Symbiose: Beschreibt die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, bei der Abfall- oder Nebenprodukte eines Prozesses als Rohstoffe für einen anderen genutzt werden. Ein Beispiel ist die Verwendung von Hochofenschlacke aus der Stahlproduktion als Zusatzstoff in der Zementherstellung. Industrielle Symbiose kann die Energie- und Ressourceneffizienz steigern, erfordert jedoch eine räumliche Nähe der beteiligten Betriebe und eine Abstimmung der Produktionsprozesse.

Zusammenfassung

Die energieintensive Herstellung umfasst industrielle Prozesse, deren Energiebedarf pro Outputeinheit deutlich über dem Branchendurchschnitt liegt und die damit einen erheblichen Anteil am globalen Primärenergieverbrauch sowie an den CO₂-Emissionen ausmachen. Typische Vertreter sind die Stahl-, Zement-, Glas- und Chemieindustrie, deren Verfahren auf physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten basieren, die hohe Temperaturen oder energieaufwendige Trennprozesse erfordern. Die Bewältigung der damit verbundenen Herausforderungen – von klimapolitischen Regulierungen über technologische Pfadabhängigkeiten bis hin zu wirtschaftlichen Risiken – erfordert eine Kombination aus Effizienzsteigerungen, der Substitution fossiler Energieträger und der Entwicklung neuer Produktionsmethoden. Gleichzeitig bieten sich Chancen durch die Integration erneuerbarer Energien, die Nutzung von Abwärme oder die Umsetzung von Kreislaufwirtschaftskonzepten. Die Zukunft der energieintensiven Industrie wird maßgeblich davon abhängen, inwieweit es gelingt, Klimaneutralität mit wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit zu vereinen.

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